Neue Flächen in Anspruch nehmen
Flächenneuinanspruchnahme ist nicht gleich Versiegelung.
Unter "Flächenneuinanspruchnahme" versteht man die Umwandlung von Freiraumflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV-Flächen). Da die Siedlungs- und Verkehrsflächen neben Wohnbau-, Gewerbe- und Verkehrsflächen auch Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen, Parks, Garten- oder Grünanlagen umfassen und nicht alle diese Flächen vollständig überbaut sind, ist Inanspruchnahme von Flächen nicht mit Versiegelung gleichzusetzen. In Schleswig-Holstein gelten ungefähr 45 bis 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen als versiegelt.
Häufig wird synonym zu Neuinanspruchnahme von Flächen auch der Begriff "Flächenverbrauch" benutzt. Damit soll deutlich gemacht werden, dass Boden ein endliches Gut ist, das – einmal für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Anspruch genommen – natürliche ökologische Funktionen verliert und für andere Nutzungen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht.
Folgen für Mensch und Umwelt
Messung der Neuinanspruchnahme von Flächen
Seit 1992 wird die Entwicklung der Neuinanspruchnahme von Flächen für das gesamte Bundesgebiet über die Angaben zur tatsächlichen Flächennutzung in den amtlichen Liegenschaftskatastern beobachtet.
Da die Daten flächendeckend vorliegen und regelmäßig aktualisiert werden, sind sie die beste verfügbare Datengrundlage, um die Entwicklung der Neuinanspruchnahme von Flächen beurteilen zu können. Allerdings ist für die Interpretation einiges zu beachten. Veränderungen bei Siedlungs- und Verkehrsflächen sind nicht nur auf die Umwandlung von Freiraumflächen (zum Beispiel Landwirtschaft oder Wald) für Siedlungs- und Verkehrszwecke zurückzuführen, sondern auch auf Neuzuordnungen von Flächen im Rahmen von Überprüfungen des amtlichen Liegenschaftskatasters. In Einzelfällen werden flächendeckende Aktualisierungen durchgeführt, um Veränderungen zu erfassen, die im normalen Arbeitsalltag der Vermessungsverwaltungen bis dahin nicht aufgefallen sind. Dies verursacht Verschiebungen zwischen Nutzungsarten, ohne dass sich real etwas in der Landschaft geändert hat. Diese scheinbaren Flächenzunahmen bzw. -abnahmen wirken sich somit verzerrend auf Angaben zum jährlichen Flächenverbrauch aus.
Zudem ist die zeitliche und räumliche Vergleichbarkeit der Daten durch eine Methodenumstellung in der Vermessungsverwaltung, die sich seit 2009 je nach Bundesland in unterschiedlichem Ausmaß auf die Ergebnisse auswirkt, zum Teil erheblich eingeschränkt.
Trendwende erforderlich
Trotz aller Ungenauigkeiten der Datengrundlage ist allerdings ein klarer Trend erkennbar: die schon viele Jahre geltenden bzw. mit großen Anstrengungen entwickelten Regelungen, Instrumente und Strategien zur Reduzierung der Neuinanspruchnahme von Flächen haben bisher nicht die erwartete Wirkung erzielt. Und das hat weiterhin negative Folgen für Menschen und für die Umwelt. Daher sind weitere Maßnahmen erforderlich.